Top 10 Brauereien in Frankreich
Frankreich ist kein Weinland, das nebenbei auch Bier produziert. Die Brauereigeschichte des Landes reicht Jahrhunderte zurück — von den flämischen Farmhäusern in den Hauts-de-France über die elsässischen Großbrauereien bis zu den lebhaften Craft-Betrieben im heutigen Paris. Die Bière de Garde, ein kalt gelagertes Farmhouse-Ale aus dem Norden, ist ein genuiner französischer Bierstil, der ohne Vorbild in der Welt dasteht. Gleichzeitig hat sich seit etwa 2009 in Paris eine Craft-Bewegung entwickelt, die ohne Präzedenz ist und international zunehmend Beachtung findet. Diese Liste stellt zehn Brauereien vor, die zusammen das breite Spektrum der französischen Bierkultur abbilden — von den Industrieriesen des Elsass bis zu kleinen Taprooms im 11. Arrondissement.
Die großen Industriebrauereien: Kronenbourg und Pelforth
Keine Liste der führenden Brauereien Frankreichs wäre vollständig ohne die beiden bekanntesten Namen des Landes: Kronenbourg und Pelforth. Beide stehen für eine Ära, in der Bier in Frankreich vor allem als Massenprodukt galt — und beide haben diesen Status auf sehr unterschiedliche Weise errungen.
Kronenbourg wurde 1664 in Straßburg im Elsass gegründet und ist damit eine der ältesten noch aktiven Brauereien Europas. Der Name leitet sich vom Stadtteil Cronenbourg ab, in den die Brauerei im 18. Jahrhundert umzog. Heute ist Kronenbourg Frankreichs größte Brauerei und eines der bekanntesten Bierexportprodukte des Landes. Das Flaggschiff Kronenbourg 1664 — ein helles, mild bitteres Lagerbier — ist in über 50 Ländern erhältlich. Seit 2008 gehört die Brauerei zum dänischen Konzern Carlsberg. Das Brauereigelände in Obernai im Elsass, wohin die Produktion in den 1960er-Jahren verlagert wurde, ist heute eines der größten und modernsten Brauereizentren Frankreichs. Wer die Brauerei besuchen möchte, kann an geführten Touren teilnehmen, die Einblick in Geschichte und Produktionsprozesse bieten.
Pelforth hat eine andere Geschichte: 1921 im nordfranzösischen Mons-en-Baroeul nahe Lille gegründet, spezialisierte sich die Brauerei früh auf dunkle Biere und wurde damit zum Marktführer für dieses Segment in Frankreich. Das Pelforth Brune, ein dunkles Lagerbier mit Karamell- und Röstaromen, ist bis heute das bekannteste Produkt und hat treue Anhänger vor allem in Nordfrankreich. Das Pelforth Blonde ergänzt das Sortiment als zugänglicheres, helleres Lagerbier. Seit den 1980er-Jahren gehört Pelforth zum Heineken-Konzern. Die Brauerei gilt als kulturelles Erbe der Lillois und ist Teil der industriellen Biertradition des Nordens.
Die Bière de Garde: Nordfrankreichs eigener Bierstil
Die vier folgenden Brauereien kommen alle aus den Hauts-de-France und repräsentieren den Stil, der Frankreich auf der Bierweltkarte verankert hat: die Bière de Garde. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name "Bier zum Aufbewahren" — es handelt sich um ein obergäriges Ale, das kalt gelagert und konditioniert wird, ähnlich einem Lager, aber mit der Komplexität eines Ales. Die drei klassischen Varianten sind Blonde (goldgelb, trocken), Ambrée (bernsteinfarben, malzbetont) und Brune (dunkel, süß-würzig). Das Besondere: Der Stil hat keine gesetzlich geschützte Herkunftsbezeichnung, was die Qualitätsbandbreite groß macht. Die besten Vertreter kommen aus dem flämisch geprägten Nordwesten, wo Bauernhöfe und Brauereien seit Jahrhunderten nebeneinander existieren.
Brasserie Thiriez in Esquelbecq, Flandre, gilt als der wichtigste Einzelakteur der modernen Bière-de-Garde-Renaissance. Daniel Thiriez, ein ehemaliger Ingenieur, gründete die Brauerei 1996 in einem kleinen Dorf nahe Dünkirchen — bewusst in der Tradition der flämischen Farmhouse-Brauereien. Das Thiriez Extra (5,8 %) ist ein helles, trocken vergorenes Ale mit einem Hauch Saison-Charakter und feiner Hopfenbitterness; die Blonde d'Esquelbecq und die Rousse du Mont Rouge sind die klassischeren Farmhouse-Interpretationen. Thiriez hat als Mentor eine ganze Generation junger französischer Brauer beeinflusst und beliefert Gourmetrestaurants in ganz Frankreich.
Page 24 / Brasserie Saint-Germain in Lestrem, Pas-de-Calais, hat sich auf elegante, lagerfähige Bières de Garde spezialisiert. Das bekannteste Produkt ist die Page 24 Réserve Hildegarde — benannt nach Hildegard von Bingen, der mittelalterlichen Äbtissin, der die erste dokumentierte Erwähnung von Hopfen im Bier zugeschrieben wird. Lestrem liegt im Herzen des Nordens, und die Brauerei verkörpert den Ehrgeiz, traditionelle Stile auf modernstem handwerklichem Niveau zu interpretieren. Die Biere werden in charakteristischen champagnerflaschenähnlichen 75-cl-Flaschen abgefüllt und sind auf spezialisierten Biermärkten sowie in Feinkostläden erhältlich.
Brasserie du Pays Flamand – Anosteke in Blaringhem, Hauts-de-France, vereint zwei Traditionen unter einem Dach: flämische Ales und die klassische Bière de Garde. Die Brauerei ist bekannt für ihre breite Stilpalette, die Doppelbock-ähnliche Stärke mit belgischer Komplexität verbindet. Regionale Zutaten — Hopfen aus dem benachbarten Poperinge-Korridor, lokales Malz — stehen im Vordergrund. Wer Nordfrankreich mit einer Biertour erkunden möchte, findet in Blaringhem einen lohnenden Zwischenstopp.
La Choulette in Hordain, Nord, ist eine der ältesten Farmhouse-Brauereien im Norden und wurde bereits 1885 gegründet. Der Name bezieht sich auf das traditionelle flämische Hockeyspiel la crosse, das in der Region als Choulette bekannt ist — ein Verweis auf die tiefen kulturellen Wurzeln des Betriebs. Die La Choulette Blonde und die La Choulette Ambrée sind die Klassiker des Hauses: bäuerlich, komplex und mit einem Charakter, der nur durch jahrzehntelange Erfahrung entstehen kann. Wer echte Bière de Garde in ihrer traditionellsten Form erleben möchte, kommt an La Choulette nicht vorbei.
Alpine Handwerkskunst: Brasserie du Mont Blanc
Nicht nur der Norden hat handwerkliche Braukultur zu bieten. Die Brasserie du Mont Blanc in Le Fayet bei Saint-Gervais-les-Bains in der Haute-Savoie beweist, dass auch die Alpen ein fruchtbares Terroir für erstklassiges Bier sind. 1997 gegründet, zählt sie zu den Pionieren der französischen Craft-Bewegung und war lange Zeit eine der wenigen Craft-Brauereien in der Region. Das Mont Blanc Rousse — ein rötlich-goldenes Ale mit warmen Karamell- und Nussaromen — ist das Flaggschiff der Brauerei und wurde vielfach ausgezeichnet. Die Mont Blanc Blanche ist ein erfrischendes Weizenbier, das sich perfekt für den Genuss nach einer Wanderung oder Skitour eignet. Die Lage am Fuß des Mont Blanc, umgeben von Gletschern und Alpenweiden, ist nicht nur eine Kulisse, sondern prägt auch die Philosophie: reines Bergwasser, regionale Zutaten, handwerkliche Sorgfalt.
Die Pariser Craft-Szene: Gallia, Deck & Donohue und BAPBAP
Seit etwa 2009 hat sich Paris zu einem der dynamischsten Craft-Biermärkte Europas entwickelt. Drei Brauereien stehen stellvertretend für diese Bewegung.
Gallia wurde 2009 in Paris gegründet — genauer gesagt in Ivry-sur-Seine, südlich des Stadtzentrums — und ist eine der ersten wirklich urbanen Craft-Brauereien der französischen Hauptstadt. Die Gallia Blonde ist ein zugängliches, gut ausbalanciertes Ale mit feiner Hopfennote, das sich in Pariser Bars und Restaurants schnell einen festen Platz erobert hat. Das Gallia IPA zeigt, dass Gallia auch experimentierfreudig ist und den internationalen Craft-Trend aufgegriffen hat, ohne den lokalen Charakter zu verlieren. Gallia beliefert heute hunderte von Bars, Restaurants und Feinkostläden in der Île-de-France.
Deck & Donohue in Montreuil, östlich von Paris, wurde 2013 von Tom Deck und Mike Donohue gegründet. Die Brauerei fällt durch ihre stilistische Präzision auf: Das Kellerbier — ein helles, unfiltriertes Lagerbier nach bayerischem Vorbild — und das Pale Ale stehen für technische Sauberkeit und klassische Stilinterpretation ohne Kompromisse. Deck & Donohue richtet sich an ein Publikum, das Bier nicht als Erlebnis, sondern als Genussmittel mit Anspruch versteht. Die Brauerei hat keinen öffentlichen Taproom im traditionellen Sinne, ist aber über eine wachsende Zahl von Fachhändlern und Onlineshops zugänglich.
BAPBAP — kurz für Beer And Peace, Beer And People — wurde 2013 im 11. Arrondissement von Paris gegründet und ist vielleicht der sichtbarste Ausdruck der Pariser Craft-Kultur. Die Brauerei liegt mitten im belebten Viertel rund um den Place de la Bastille und betreibt einen Taproom, der gleichzeitig Showroom, Treffpunkt und Verkostungsraum ist. Die BAPBAP Blonde und das BAPBAP IPA sind die Kernprodukte, aber das Sortiment wechselt mit den Jahreszeiten und experimentellen Sonderabfüllungen. Der Taproom ist täglich geöffnet und empfängt Besucher direkt an der Brauanlage — ideal für alle, die die Entstehung ihrer Pinte hautnah miterleben möchten.
Besuchen und Entdecken
Die Brauereien dieser Liste lassen sich geografisch in drei Cluster aufteilen: den Norden (Thiriez, Page 24, Pays Flamand, La Choulette), die Île-de-France mit Paris (Gallia, Deck & Donohue, BAPBAP) und die Ausreißer Elsass (Kronenbourg), Nordfrankreich-Lille (Pelforth) sowie Haute-Savoie (Mont Blanc). Eine Nordfrankreich-Tour lässt sich hervorragend mit einem Abstecher nach Belgien kombinieren; vom Gare du Nord in Paris ist Lille in 60 Minuten erreichbar, Esquelbecq in rund 90 Minuten. Die Pariser Brauereien sind größtenteils mit dem Fahrrad oder der Métro erreichbar und bieten Führungen oder offene Taprooms. Die Brasserie du Mont Blanc empfiehlt sich als Teil einer Alpenreise — Le Fayet liegt am Fuß der Zahnradbahn auf den Mont Blanc und ist mit dem TGV aus Paris in etwa drei Stunden erreichbar.
Alle Brauereien dieser Liste sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Wer Frankreich abseits von Wein und Haute Cuisine erkunden möchte, wird in der Bierwelt des Landes eine lebendige, vielfältige und überraschend tiefgründige Kultur entdecken.