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Top 10 Brauereien in Frankreich

2024-12-19

Frankreich ist kein Weinland, das zufällig auch Bier produziert. Der Norden — Nord-Pas-de-Calais und die angrenzenden Hauts-de-France — hat eine tiefe Brauereitradition, die über Jahrhunderte parallel zur belgischen und deutschen entwickelt wurde. Die Bière de Garde, ein kalt gelagertes, konditioniertes Farmhouse-Ale, ist ein genuiner französischer Stil. Paris dagegen hat seit 2010 eine Craft-Szene aufgebaut, die ohne Präzedenz ist und international Aufmerksamkeit bekommt.

1. Brasserie Thiriez, Esquelbecq

Daniel Thiriez, ein ehemaliger Ingenieur, gründete 1996 in einem flämischen Dorf nahe Dünkirchen und wurde zum wichtigsten Einzelakteur der modernen Bière-de-Garde-Renaissance. Das Thiriez Extra (5,8 %) ist ein helles, trocken vergorenes Ale mit Saison-Charakter; La Blonde d'Esquelbecq und La Rousse du Mont Rouge sind die klassischeren Farmhouse-Interpretationen. Thiriez beliefert Gourmetrestaurants und hat als Mentor eine ganze Generation französischer Craft-Brauer beeinflusst.

2. Brasserie de Saint Sylvestre, Saint-Sylvestre-Cappel

Eine der Traditionsbrauereien in den Hauts-de-France, seit 1860 in Familienbesitz. Das 3 Monts — benannt nach den drei kleinen Erhebungen der flämischen Ebene — ist ein 8,5-%-Farmhouse-Ale mit goldener Farbe, Honigmalz und langer Kaltlagerung. Es gilt als das bekannteste und zugänglichste Beispiel der Bière de Garde. Saint Sylvestre braut auch ein Bockbier und ein Weihnachtsbier nach deutschem Vorbild.

3. Brasserie La Choulette, Hordain

Alain Dhaussy braut seit 1977 in einem historischen Bauernhof in Nord-Frankreich und ist einer der Urgesteine der regionalen Biertradition. La Choulette Framboise (Himbeer-Ale), La Choulette Blonde und La Choulette Ambrée sind die bekanntesten Produkte. Die Brauerei ist nach dem traditionellen flämischen Hockeyspiel benannt; der rustikale Farmhouse-Charakter zieht sich durch alle Biere.

4. Brasserie du Pays Flamand, Blaringhem

Gegründet 2003, ist diese Brauerei in der Nähe von Saint-Omer eine der produktivsten der Hauts-de-France. La P'tite Douce und La Boulonnaise Blonde sind die Alltagsbiere; das Pays Flamand Christmas Ale ist ein saisonaler Bestseller. Brasserie du Pays Flamand ist ein gutes Beispiel für die Regionalisierung des Craft-Bier-Konzepts in Frankreich — konsequent lokal, keine Internationalisierung.

5. Gallia, Paris

Gegründet 2014 in Saint-Denis, dem Norden von Paris, braute Gallia zunächst im Auftrag bei anderen Brauereien, bevor 2019 eine eigene Brauerei eröffnet wurde. Das Gallia Pale Ale und das Gallia IPA sind die Kernprodukte — zugänglich, bürgerlich, gut in Pariser Restaurants verankert. Gallia ist eine der ersten Brauereien, die das Parisgefühl konsequent in eine Biermarke übersetzte.

6. BAPBAP, Paris

BAPBAP (Beer And Peace, Beer And People) wurde 2014 im 11. Arrondissement gegründet und betreibt eine sichtbare Brauerei mit angeschlossenem Tap Room, der im belebten Viertel Bastille liegt. Das Barbare Blonde und das In The Rough IPA sind die Kernbiere. BAPBAP gilt als das Gesicht der Pariser Craft-Szene nach außen — der Tap Room ist Treffpunkt, nicht nur Verkaufsstelle.

7. Deck & Donohue, Montreuil

Eine der technisch präzisesten Brauereien von Paris, gegründet 2013 von dem Australier Tom Deck und dem Iren Mike Donohue. Deck & Donohue ist bekannt für saubere, klassische Stilinterpretationen: ein Pale Ale, ein Stout, ein IPA — ohne Experimente, dafür mit konstanter Qualität. Die Brauerei liegt in Montreuil, östlich von Paris, und hat keinen öffentlichen Tap Room im herkömmlichen Sinne; der Direktverkauf läuft über ausgewählte Partner.

8. Sainte Cru, Colmar

Im Elsass — an der Schnittstelle zwischen deutschen und französischen Brautraditionen — braute Sainte Cru seit 2012 mit belgischen Hefen und elsässischem Hopfen. Das Biere Blanche und das Ambrée sind die Flaggschiffe. Das Elsass hat eine eigene Brauergeschichte, die von deutschen Einflüssen (Kronenbourg, Fischer) geprägt ist; Sainte Cru steht für einen eigenständigen elsässischen Craft-Ansatz.

9. Brasserie Sulauze, Miramas

Im sonnigen Süden Frankreichs, in der Provence, verbindet Sulauze seit 2008 Biogastronomie, Farmhouse-Brauen und regionalen Kräutereinsatz. Das Rastal Rousse und das Blonde Bio sind die bekanntesten Produkte, beide zertifiziert biologisch. Sulauze ist einer der Vorreiter des ökologischen Brauwesens in Frankreich und beliefert Biläden und Naturkostläden.

10. La Débauche, Angoulême

In Angoulême im Südwesten Frankreichs brauen seit 2012 Nicolas Guilloteau und Paul Grégoire experimentell und stiloffen. Das Cuve — ein Saison — und das IPA Savage sind die Flaggschiffe. La Débauche ist eine Brauerei, die den Begriff "artisanal" wörtlich nimmt: handwerkliche Sorgfalt, wechselndes Sortiment, keine Industrieprozesse. International wurde La Débauche durch Kollaborationen mit amerikanischen und skandinavischen Brauereien bekannt.

Bière de Garde: Frankreichs eigenständiger Beitrag

Bière de Garde — "Bier zum Aufbewahren" — ist ein obergäriges Ale, das kalt gelagert und konditioniert wird und dadurch eine Reinheit und Komplexität entwickelt, die sonst nur Lagerbieren zugeschrieben wird. Es gibt drei Varianten: Blonde (goldfarben, trocken), Ambrée (bernsteinfarben, malzig) und Brune (dunkel, süß-würzig). Der Stil hat keine Schutzbezeichnung — theoretisch kann jeder Bière de Garde nennen, was er will — was die Qualitätsbandbreite erheblich macht. Die besten Vertreter kommen aus dem Nordwesten, wo die Tradition lebendig und unverfälscht ist.

Alle Brauereien dieser Liste sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Hauts-de-France bieten Belgien-nahe Dichte; Paris ist eine eigene Biertour wert. Wer beides verbinden will, nimmt den Zug von Paris nach Lille — 55 Minuten — und hat einen der besten Bier-Korridore Europas erschlossen.