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Top 10 Brauereien in Österreich

Österreich ist eine der am meisten unterschätzten Brauereinationen Europas. Eingeklemmt zwischen dem deutschen Bier-Koloss im Norden und der belgischen Kreativität im Westen, hat Österreich einen eigenständigen Stil entwickelt: das Wiener Lager, ein bernsteinfarbenes, malzbetontes Lagerbier, das im 19. Jahrhundert stilbildend für die ganze Welt war. Anton Dreher braute es 1841 in Schwechat bei Wien und schuf damit eine Vorlage, die bis nach Mexiko ausstrahlte. Dazu kommen regionale Traditionen von Salzburg bis Vorarlberg — Trumer Pilsner aus Obertrum, Bio-Biere von Schremser im Waldviertel, Alpenbiere aus der Steiermark — und eine wachsende Craft-Szene in Wien. Diese zehn Brauereien vermessen das Spektrum.

1. Stiegl, Salzburg

Stiegl ist die größte private österreichische Brauerei und seit 1492 in Salzburg ansässig — damit eine der ältesten ununterbrochen produzierenden Brauereien der Welt, älter als die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Die Brauerei liegt im Stadtteil Maxglan, unweit des Flughafens Salzburg, und ist für Besucher zugänglich. Das Stiegl Goldbräu ist das meistverkaufte Salzburger Bier: ein ausgewogenes, malzbetontes Lagerbier mit dezenter Hopfenbittere und einer Schaumkrone, die zur berühmten Salzburger Trinkkultur im Gastgarten passt. Die Stiegl-Brauwelt — ein Biermuseum mit geführten Touren, Schaubrauerei und Kostzimmer — ist eine eigenständige Touristenattraktion und einer der meistbesuchten Ausflugspunkte in Salzburg. Auf dem Salzburger Bierfestival ist Stiegl omnipräsent; international exportiert die Brauerei in über 50 Länder.

2. Schremser, Niederösterreich

Schremser aus der Kleinstadt Schrems im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich ist seit 1410 in Betrieb und gehört damit zu den ältesten Brauereien Österreichs. Die Brauerei ist bekannt für ihre Pionierrolle im Bereich biologischer Rohstoffe: Sie setzt stark auf regionale Bio-Getreidesorten wie Dinkel, Emmer und Kamut — alte Kulturpflanzen aus der niederösterreichischen Landwirtschaft, die den Bieren eine kräuterige, erdige Komplexität verleihen, die mit konventioneller Braugerste nicht zu erzielen ist. Das Schremser Roggenbier — eines der wenigen kommerziell produzierten Roggen-Biere in Europa — und das Dinkel-Weizen sind national bekannt. Das Waldviertel als Rohstofflieferant verleiht der Marke eine überzeugende regionale Glaubwürdigkeit, die Brauereien aus städtischen Zentren schwer replizieren können.

3. Trumer Privatbrauerei, Obertrum am See

Trumer aus Obertrum bei Salzburg — einer Gemeinde am Mattsee, rund 15 Kilometer nördlich der Mozartstadt — blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1601 reicht. Die Brauerei hat sich konsequent auf Pilsner spezialisiert und diesen Fokus mit internationalem Erfolg belohnt bekommen. Das Trumer Pils ist nach österreichischem Rezept auch in Berkeley, Kalifornien, lizenziert produziert worden — ein ungewöhnlicher und erfolgreicher Weg für eine österreichische Privatbrauerei, um den anspruchsvollen amerikanischen Craft-Markt direkt zu bedienen. In Österreich steht Trumer für das perfekte Pilsner: schlank und frisch, mit sauberem Hopfenabgang, klassischer persistenter Schaumkrone und einer Reinheit, die dem weichen Salzburger Quellwasser zu verdanken ist. In vielen Salzburger Spitzenrestaurants ist Trumer das Pils der Wahl.

4. Brew Age, Wien

Brew Age ist Wiens bekannteste Craft-Brauerei und steht für die moderne österreichische Bierkultur jenseits der traditionellen Lagerbier-Domäne. Gegründet Mitte der 2010er-Jahre von jungen Wiener Brauern mit internationaler Ausbildung, produziert Brew Age ein breites Sortiment: West Coast IPAs, New England IPAs, pastry Stouts, Saisons mit österreichischen Kräutern. Die Biere sind in Wiener Craft-Bars, Fachhandel und mittlerweile in ausgewählten Supermärkten erhältlich. Brew Age hat die internationale Craft-Bewegung nicht nur imitiert, sondern eigene Releases entwickelt, die auf österreichische Zutaten setzen — Hopfen aus der Steiermark, Waldviertel-Malz, Wiener Leitungswasser aus den Hochquellenwasserleitungen der Alpen. Für einen Überblick über die aktuelle Wiener Craft-Szene ist Brew Age der beste Ausgangspunkt.

5. Bevog, Bad Radkersburg

Bevog aus Bad Radkersburg in der Südsteiermark — nahe der slowenischen Grenze, in einer der wärmsten Weinregionen Österreichs — ist eine der interessantesten Craft-Brauereien des Landes. Gegründet 2012, hat sich Bevog mit aggressiv gehopften amerikanisch inspirierten Ales und experimentellen Stilrichtungen schnell in der österreichischen Craft-Szene etabliert. Das Bevog Tak IPA ist das bekannteste Produkt; die Sauer- und Wildbier-Releases zeigen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Spontangärung und Barrelaging, wie sie in Österreich selten ist. Bevog exportiert nach Deutschland, in die Schweiz und nach Großbritannien und ist damit eine der wenigen österreichischen Craft-Brauereien mit relevantem internationalem Profil.

6. Loncium, Kötschach-Mauthen

Loncium aus Kötschach-Mauthen im Kärntner Gailtal — einem abgelegenen Hochtal in den Karnischen Alpen nahe der italienischen Grenze — ist vielleicht die malerischste Brauerei Österreichs. Gegründet 2013, produziert Loncium alpine Craft-Biere, die die Umgebung — Bergweiden, Almkräuter, Gletscherwasser — direkt in Rezeptur und Markenidentität übersetzen. Die Loncium Hopfen Weisse und das Loncium Pale Ale sind die bekanntesten Produkte; die limitierten Almsommer-Releases mit regionalen Kräutern sind Sammlerstücke. Wer Kärnten auf dem Weg nach Italien oder Slowenien bereist, findet in Kötschach-Mauthen einen lohnenden Umweg.

7. Ottakringer, Wien

Ottakringer ist die letzte vollständig unabhängige Großstadtbrauerei Wiens und seit 1837 im 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring ansässig — einem ehemaligen Arbeiterviertel mit heutigem Kreativmilieu, bekannt für den Gürtel-Bogen mit Bars und Clubs. Das Ottakringer Helles Gold ist das Wiener Alltagsbier schlechthin, in Würstelständen und Gasthäusern gleichermaßen präsent; das Rotes Zwickl, ein naturtrübes Kellerbier, hat eine treue Fangemeinde unter Einheimischen. In den letzten Jahren hat Ottakringer mit dem Craft-Label „6,0" experimentiert und neben klassischen Lagern auch IPAs und Stouts veröffentlicht. Geführte Touren durch die historische Brauerei sind buchbar und geben einen Einblick in über 180 Jahre Wiener Brauereigeschichte.

8. Gusswerk, Hof bei Salzburg

Gusswerk aus Hof bei Salzburg — direkt am Wolfgangsee, eine der schönsten Seenlandschaften Salzburgs — ist eine 2008 gegründete Craft-Brauerei, die von Anfang an auf biologische Rohstoffe und handwerkliche Präzision gesetzt hat. Das Gusswerk Pale Ale war eines der ersten überzeugenden österreichischen Craft-Ales und gewann rasch internationale Aufmerksamkeit. Die Brauerei produziert ein breites Sortiment — Pilsner, Weizen, Amber Ale, Stout — vollständig in Bio-Qualität. Der Produktionsstandort am Wolfgangsee macht Gusswerk zu einem attraktiven Reiseziel: Die Brauerei liegt inmitten der Seenlandschaft des Salzkammerguts, die zu den schönsten Tourismusregionen Österreichs zählt und mit dem Salzkammergut-Welterbe der UNESCO assoziiert ist.

9. Schwechater Brauerei, Schwechat

Schwechat — östlich von Wien am Stadtrand, nahe dem Flughafen Wien-Schwechat — ist historisch einer der bedeutendsten Braustandorte Österreichs und der Welt. Anton Dreher braute hier 1841 das erste Wiener Lager, einen der stilprägendsten Momente der Biergeschichte: Das bernsteinfarbene, malzbetonte Lagerbier war das erste seiner Art und wurde weltweit kopiert. Dreher experimentierte parallel mit dem bayerischen Brauer Gabriel Sedlmayr und entwickelte gemeinsam mit ihm die untergärige Lagerung bei niedrigen Temperaturen. Heute gehört die Brauerei zu Heineken, produziert aber weiterhin das Schwechater Lager, das an Drehers Erbe erinnert. Ein Besuch des Standorts erinnert daran, dass die globale Lagerbiertradition maßgeblich von einem Wiener Vorort aus geprägt wurde.

10. Murauer Brauerei, Steiermark

Murauer ist in der steirischen Stadt Murau ansässig — einem mittelalterlichen Marktflecken im Murtal, umgeben von den Alpen der Oberen Steiermark, rund 100 Kilometer südwestlich von Graz. Die Alpenbrauerei nutzt Quellwasser aus dem Murtal und produziert saubere, handwerklich präzise Lagerbiere, die in der steirischen Gastronomie weit verbreitet sind. Das Murauer Märzen ist ein verlässlicher steirischer Klassiker — ausgewogen, malzig, mit angenehmer Hopfenbittere; das Murauer Zwickl ist ein naturtrübes Kellerbier, das in der Region sehr beliebt ist und in Gasthäusern frisch vom Fass serviert wird. Murau selbst lohnt als Ausflugsziel: Das Schloss Murau thront über der Stadt, und die Murtalbahn — eine historische Schmalspurbahn — erschließt die Täler der Umgebung.

Das Wiener Lager und sein globales Erbe

Das Wiener Lager — amber, malzbetont, elegant — ist heute weltweit weniger bekannt als seine direkten Nachkommen. Mexiko hat den Stil bewahrt, weil österreichische Einwanderer und Brauer ihn im 19. Jahrhundert dorthin brachten: Modelo und Negra Modelo tragen bis heute die DNA des Wiener Lagers in sich. In Österreich selbst ist das Vienna Lager als eigenständige Kategorie nahezu verschwunden, verdrängt von Pilsner und helleren Lagern. Stiegl Goldbräu und das Schwechater Lagerbier sind die nächstkommenden kommerziellen Vertreter des ursprünglichen Charakters. Die wachsende internationale Craft-Szene hat das Vienna Lager wieder entdeckt: In amerikanischen und japanischen Craft-Brauereien wird es heute mit mehr Sorgfalt produziert als in seinem Heimatland.

Auf der Karte erkunden

Österreichische Brauereien sind von Wien bis Vorarlberg im gesamten Land verteilt, mit Schwerpunkten in Salzburg, der Steiermark und Wien. Die interaktive Karte zeigt alle eingetragenen Betriebe mit Standort und Kontaktinformation. Karte öffnen